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Rezept für Paella – DER SPIEGEL



Im spanischen Valencia wurde die Paella erfunden. Die Paella ist in Valencia mehr als ein Essen, sie ist eine Glaubensfrage, mehr ein Ritual als nur ein spätes Mittagessen am Sonntagnachmittag.

Ich habe in Valencia studiert. Und Paella geliebt. Ich habe direkt neben der Jugendstil-Markthalle gewohnt, auf dem Weg zur Uni und wieder nach Hause ging ich jeden Tag dort durch. Kaufte mal ein paar Muscheln, mal Tintenfisch und manchmal Gambas, ich nahm, was gerade günstig war. Kaufte Erbsen und Zitronen. Reis und Tomatenpüree hatten wir immer vorrätig in der WG. Und Chorizo, die Paprika-Knoblauchwurst! Das waren die Zutaten für meine Paella.

Für viele Valencianer ein Sakrileg, denn in die echte, die originale Paella kommen neben Reis und Safran nur Kaninchen, Huhn, Tomaten und Bohnen. Die Paella war früher ein Arme-Leute-Essen, von den Bauern im Freien überm Feuer gekocht, mit dem, was eben da war auf Acker und Feld. “Wikipaella”, eine Valencianer Organisation, wacht über die Original-Paella Valenciana, bewertet Paella-Restaurants (Wird über offenem Feuer gekocht? Und das Feuerholz, kommt es vom Orangenbaum?) und hat es durch ausdauerndes Twittern geschafft, dass ein Paella-Emoji eingeführt worden ist. Doch dann war in der Emoji-Pfanne ein Hühnerschenkel zu sehen – und eine Gamba! Die Paella-Gemeinde twitterte Sturm: Gamba und Huhn zusammen ist falsch! Niemals mar y montaña, Meer und Berge, also Meeresfrüchte und Fleisch mischen! Und eine Paella, die tatsächlich Paella heißt, gibt es mit Fisch, Muscheln oder Krabben ohnehin nicht. Sie heißt dann nicht mehr Paella, sondern “Arroz de Marisco”, Reis mit Meeresfrüchten. Und wirklich, das Paella-Emoji wurde geändert.

Ich bleibe bei meinem Rezept der unorthodoxen Paella, ganz einfach, weil sie mir so gut schmeckt. Ihre Zubereitung ist so leicht, dass wir die Paella oft am Strand gemacht haben, über einem Lagerfeuer köchelnd. An der Playa del Cabanyal, die Füße im Sand, haben wir ihn bei Meeresrauschen direkt mit dem Löffel aus der Pfanne gegessen, diesen rotgoldenen Reis, der vom herb-erdigen Safranduft durchdrungen war und von der Fruchtigkeit der Tomaten, dazu ein paar süße Akzente von den Erbsen. Und dann die Kombination aus dem Meeresaroma der Gambas oder Muscheln und der fett-würzigen Chorizo… Köstlich! Am Ende des Gelages kam dann der “Socarrat“, der angebackene Reis am Boden der Paella-Pfanne, knusprig und rauchig und voller Geschmack.

Beim Socarrat würde sogar ich dogmatisch sein: Nur eine Paella mit Socarrat ist eine gute Paella.



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