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Coronavirus: Der Todeskampf des Goran Simic

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Tag 1 – Dienstag, 24. März 2020

Der alte Mann, der am Vormittag auf die Intensivstation im zweiten Stock des Klinikums Fürstenfeldbruck bei München geschoben wird, ist ein Falschnegativer. So nennen die Ärzte hier Sars-CoV-2-Infizierte, die sie erst später als solche erkennen. Der Mann leidet unter starker Atemnot und hat Fieber, aber ein Abstrich aus seinem Rachen wurde negativ getestet. Verdacht auf Influenza, lautet die Diagnose.

Vier Pflegefachkräfte und eine Internistin kümmern sich um den Patienten in der Box 9, einem abgetrennten Abteil. Sie tragen weder Schutzanzüge noch FFP3-Masken. Der Patient ist kurzatmig, er muss mit einer Gesichtsmaske nicht-invasiv beatmet werden. Zwei Tage später liegt das Ergebnis der Analyse seines Lungensekrets vor. Sars-CoV-2 positiv.

Einer der Pfleger heißt Goran Simic. Seine Geschichte wird in diesem Text anhand von medizinischen Daten, Dokumenten, Erfahrungsberichten von ihm selbst, seiner Frau, den behandelnden Ärzten und Pflegern und durch Beobachtungen an Kliniken rekonstruiert.

Simic ist 33 Jahre alt, zwei Meter groß, 107 Kilogramm schwer. Er ist Fan von Dinamo Zagreb, Ehemann von Ana, Vater von Marta, sie ist sechs Monate alt. Er arbeitet seit fünf Jahren als Anästhesiepfleger im Klinikum Fürstenfeldbruck, seit einer Woche auf der Covid-Intensivstation.

Er legt dem alten Mann in Box 9 an diesem Tag einen Zugang für Infusionen. Er berührt ihn am Arm.

Vielleicht ist es da passiert.

Tag 4 – Freitag, 27. März

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht seinen täglichen Lagebericht zur Coronavirus-Krankheit 2019 (Covid-19), ausgelöst durch das Virus Sars-CoV-2. Stand an diesem Tag in Deutschland: 42 288 bestätigte Fälle, 253 Verstorbene, Anteil der Verstorbenen: 0,6 Prozent. Das mittlere Alter liegt bei 82 Jahren. Der jüngste Tote war 42 Jahre alt, der älteste 100.

Im Frühdienst fühlt sich Simic abgeschlagen. Er hat Kopfschmerzen und erhöhte Temperatur. Seine Füße brennen. Er wird abgestrichen, wie auch die anderen Kollegen, die mit ihm am Dienstag den alten Mann versorgt haben und geht gegen Mittag nach Hause.

Die Familie Simic lebt in einer Wohnanlage, etwa fünf Autominuten vom Klinikum entfernt. Goran Simic ist Krankenpfleger geworden, weil er Menschen helfen wollte und glaubte, dass er mit der Ausbildung überall auf der Welt einen Job finden könnte. In Kroatien, wo Simic geboren wurde, verdiente er 800 Euro netto im Monat. In Deutschland ist sein Gehalt mehr als dreimal so hoch.

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